Crowdfunding für Einsteiger – Teil 1 von 3

Mit jedem Jahr werden immer mehr Spiele veröffentlicht. Viele dieser Spiele nehmen dabei nicht mehr den klassischen Weg über einen etablierten Verlag, sondern werden mit Hilfe von Crowdfunding finanziert und anschließend auf den Markt gebracht. Oder kommen gar nicht erst auf den Markt, sondern sind nur im Rahmen des Crowdfunding erhältlich. In dieser Artikelreihe wollen wir euch einen Einblick in die Welt des Crowdfunding geben und euch zeigen was ihr beachten müsst, wenn ihr ein Spiel per Crowdfunding unterstützen möchtet, denn ganz so einfach und reibungslos wie Crowdfunding auf den ersten Blick erscheint, ist es nämlich nicht.

Crowdfunding, Backer, Kraut und Rüben

Eins noch vorweg: Wir gehen hier häufig auf Kickstarter als Plattform für das Crowdfunding ein. Das ist der hohen Reichweite dieser Plattform geschuldet und soll keinerlei Werbung oder eine Bevorzugung unsererseits darstellen. 

„Was ist Crowdfunding?“, wird sich vielleicht nur die Minderheit der Leser fragen, aber der Vollständigkeit halber hier ein kurzer Exkurs. Crowdfunding bezeichnet, salopp gesagt, den Akt des Geldsammelns zwecks Umsetzung eines Projekts. Wer eine Idee für ein Projekt hat (sei es die Produktion eines Musik-Albums, ein Kunstprojekt, ein Gesellschaftsspiel oder auch abendfüllende Filme), kann über Plattformen wie Kickstarter, Indiegogo, Startnext oder – speziell für Gesellschaftsspiele in deutscher Sprache – die Spieleschmiede seine Idee einem breiten Publikum vorstellen und um finanzielle Beiträge werben. Dabei erhalten die Unterstützer (Backer) dann üblicherweise eine Belohnung – im Bereich der Gesellschaftsspiele (und auf die konzentrieren wir uns in diesem Artikel) ist das dann zumeist ein Exemplar des fertigen Spiels.

Je nach Plattform werden die Beiträge sofort, bei Erreichen des Fundingziels oder erst am Ende der Kampagne eingezogen. Bei Indiegogo und der Spieleschmiede werden die Beiträge direkt eingezogen, wohingegen bei Kickstarter grundsätzlich Alles Oder Nichts gilt: Erst, wenn die zugesicherten Beiträge (Pledges) einen bestimmten Wert erreicht haben und dieser bis zum Ende der Kampagne gehalten wird oder übersteigt, werden die Zahlungsmittel der Backer belastet. Startnext wiederum zieht das Geld je nach Zahlungsweise sofort oder bei Erreichen des Fundingziels ein. Abzüglich einer ggfs. anfallenden Gebühr für den Plattformbetreiber (Kickstarter genehmigt sich ganze 10% der Einnahmen), gehen diese Gelder nach erfolgreichem Abschluss an den Projektgründer, und es obliegt ihm, die Gelder zweckgebunden einzusetzen. Hoffentlich, denn rechtlich gesehen haben die Backer kaum eine Chance, ihr Geld zurückzuerhalten, wenn der Projektgründer sich mit dem Geld absetzt oder zu ganz anderen Zwecken nutzt. Legt man es auf einen Rechtsstreit an, darf man sich getrost auf einen langen, steinigen Weg vorbereiten, dessen Erfolgsaussichten bestenfalls als minimal zu bezeichnen sind.

Das lässt sich anhand der Nutzungsbedingungen von Kickstarter schön veranschaulichen. Dort heißt es (Hervorhebung von mir):

Falls ein Projektgründer sein Projekt nicht erfolgreich zu Ende bringen und die versprochenen Belohnungen nicht aushändigen kann, so hat er damit wesentliche Verpflichtungen der Vereinbarung zwischen ihm und seinen Unterstützern nicht erfüllt. Um dies wiedergutzumachen, sollte er sich nach besten Kräften bemühen, das Projekt auf andere Weise zu einem für seine Unterstützer bestmöglichen Abschluss zu bringen.
[…]
Der Projektgründer trägt die alleinige Verantwortung für die bei seinem Projekt gemachten Versprechungen. Falls er die Bestimmungen dieser Vereinbarung nicht einhält, können seine Unterstützer gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten.

Kickstarter zieht sich hier vollständig aus der Verantwortung für die Durchführung der Projekte zurück, d.h. die Backer hätten keinerlei Hilfe durch die Plattform zu erwarten, keinen Druckpunkt, den mehrere Backer zugleich angehen könnten, um den Projektgründer zu belangen. In den USA gibt es den Prozess der Sammelklage, doch dazu müssen sich erst einmal genug Backer zusammentun. Ansonsten bleibt nur der Weg, als Einzelperson den Projektgründer vor den Kadi zu zerren. Wie gesagt – die Erfolgsaussichten stehen da selten im reellen Verhältnis zum psychologischen und finanziellen Aufwand gegenüber dem beigetragenen Betrag, der sich bei Gesellschaftsspielen meist irgendwo zwischen 20 und 100 Euro bewegt.

Ähnliches findet sich bei Indiegogo:

Indiegogo is an online crowdfunding venue for people and entities seeking to raise funds for their own Campaigns and to contribute to the Campaigns of others. Campaign Owners can offer gifts or rewards in the form of tangible items or intangible services (collectively, „Perks“) to Contributors. Perks are not offered for sale. Indiegogo makes no representations about the quality, safety, morality or legality of any Campaign, Perk or Contribution or the truth or accuracy of User Content (as defined below) posted on the Services. Indiegogo does not represent that Campaign Owners will deliver Perks or that Contributions will be used as described in the Campaign. Users use the Services at their own risk.

[…]

If a Campaign Owner is unable to fulfill any of its commitments to Contributors (including delivery of any Perks), the Campaign Owner will work with the Contributors to reach a mutually satisfactory resolution, which may include refunding Contributions. Please note that if Campaign funds have been disbursed to the Campaign Owner, then it is the Campaign Owner’s responsibility to issue refunds to Contributors.

Etwas entspannter sieht es bei der Spieleschmiede aus. Da einerseits nur ausgewählte Projekte und Verlage in den Katalog der Spieleschmiede aufgenommen werden, findet bereits eine Vorfilterung statt. Andererseits ist der Geschäftspartner für Unterstützer hier direkt die Spieleschmiede. Wird ein Projekt nicht ausreichend finanziert oder sollte die Lieferung  des Spiels – trotz einer erfolgreichen Finanzierung – scheitern, erhaltet ihr das Geld zurück.

Der Verantwortliche für die Produktion oder Umsetzung des jeweiligen Projekts wird in der Projektbeschreibung immer angegeben. In der Regel ist das der Spieleverlag, der das Projekt mit uns initiiert hat. Dein Vertragspartner ist jedoch, anders als bei anderen Crowdfunding-Plattformen, die Spiele-Offensive.de selbst.

Aufgrund der ausführlichen Diskussionen zwischen Spiele-Offensive.de und den Spielernetzwerkern bei der Planung der Spieleschmiede, haben sich die Initiatoren der Spiele-Offensive.de dazu entschieden, die Spieleschmiede nicht als offene Finanzierungsplattform zu betreiben. […]

Auch bei startnext wird der beigetragene Betrag im Falle der Nicht-Erreichung des Funding-Zields zurückerstattet, sofern er aufgrund der Bezahlmethode bereits eingezogen wurde.

Ein gewisses Restrisiko muss man sich als potenzieller Unterstützer dennoch stets vor Augen führen und ein Crowdfunding-Projekt keinesfalls als eine Art Vorbestellung mit Liefergarantie und A-Z-Absicherung sehen.

Zahlen, bitte

Schon oft habe ich gehört, dass man ja gern ein Projekt unterstützen würde, aber wegen einer fehlenden Kreditkarte nicht kann. Es scheitert also an einem profanen Stück Plastik?! Das muss nicht sein. An jeder gut sortierten Tankstelle oder auch in einigen Supermärkten gibt es Prepaid-Kreditkarten zu erwerben, die man mit einem gewissen Betrag betanken kann. Wenn es nicht gerade der jüngste CMON-Miniaturenporno sein muss, reicht schon eine Initialbetankung mit unter 100 Euro. Gegen eine Registrierung kann man diese Karten sogar relativ risikofrei mit mehr Geld auffüllen. Da die Karten (soweit mir bekannt) nur für den digitalen Einsatz geeignet sind, sind Abbuchungen jenseits des Guthabens technisch nicht möglich, und somit kann die Karte im Falle eines Datendiebstahls nicht zu euren Lasten überbucht werden. Projekte aus eurem Heimatland könnt ihr auf Kickstarter übrigens mit eurer Bankverbindung unterstützen. Indiegogo akzeptiert auch EC-Karten. Die Spielschmiede nimmt auch das Lastschriftverfahren und PayPal als Zahlungsmittel. Bei Startnext könnt ihr per Sofortüberweisung, Vorkasse, Lastschrift und Kreditkarte bezahlen.

Des Weiteren bieten viele Projekte die Möglichkeit sogenannter Late Pledges an, bei denen ihr oft auch per PayPal bezahlen könnt. Das bedeutet, dass man mittels einer anderen Plattform (meist ein Pledge Manager – dazu später mehr) nach dem Ende der eigentlichen Crowdfunding-Kampagne noch einsteigen kann. Beachtet dabei aber, dass ihr damit weder im Rahmen der Projektlaufzeit zur Erreichung etwaiger Stretch Goals (dazu später mehr) beitragt, noch garantiert ist, dass der Projektgründer Late Pledges ermöglicht. Ob ein Projektgründer Late Pledges anbietet, solltet ihr deshalb rechtzeitig erfragen, oder die FAQs auf der Projektseite konsultieren.

Freundlicher Versand oder freundliche Zöllner

Ein eher unangenehmes Thema, an dem man aber nicht vorbei kommt, sind Versandkosten und Einfuhrzölle. Zum Einen gibt es Projekte, deren Belohnung aus einem nicht-EU-Staat versandt werden. Die Versandkosten bewegen sich bei solchen Projekten oft auf ziemlich hohen Niveau jenseits der 20 Euro, da die Ware eben einen langen Weg zurücklegt, was nicht billig ist. Ab einem Warenwert von 22 Euro (Stand Juni 2017) inkl. Versandkosten müsst ihr damit rechnen, dass euer Paket beim Zoll hängen bleibt, ihr einen netten Brief bekommt und das Paket im lokalen Zollamt gegen Entrichtung der anfallenden Einfuhrumsatzsteuer abholen müsst. Es kann aber auch sein, dass die Ware direkt zu eurer Haustür geliefert wird und der Paketbote dann den Betrag entgegennimmt.  Alternativ bietet zum Beispiel die Deutsche Post gegen eine Gebühr von 28,50 Euro und der Übersendung der benötigten Unterlagen, die Zollabwicklung für euch zu übernehmen. Dazu liegt, zumindest hier in Hamburg, immer ein entsprechendes Schreiben der Post bei auf dem die entsprechenden Informationen zu finden sind. Das Unternehmen FedEx wiederum macht dieses einfach von sich aus, verzollt die Ware für den Empfänger und übersendet wenige Tage nach Übergabe per Post eine Rechnung, die die Einfuhrumsatzsteuer plus eine Gebühr von 12,50 Euro für diesen Service enthält. Dies macht FedEx allerdings immer und ohne, dass man ihnen dafür einen Auftrag erteilt hat. Auch bei anderen Unternehmen könnt ihr ggf. auf dieses „Problem“ treffen.

Mittlerweile häufiger geworden sind zum Anderen Projekte, die „regionsfreundlich“ sind. Bei diesen Projekten prangen dann schon auf dem Teaser-Bild Plaketten, die andeuten, in welchen Regionen der Welt Zölle und Steuern bereits im Vorfeld durch den Projektgründer entrichtet werden, und ihr euch daher mit diesem Thema nicht mehr befassen müsst. Für unsereins in der EU ist die EU friendly-Plakette am interessantesten. Das Paket kommt dann so zu euch, als hättet ihr es in einem beliebigen Online-Shop innerhalb der EU bestellt. Der zweite Vorteil ist, dass die Versandkosten sich zumeist in moderaten Regionen von 10 bis 20 Euro bewegen. Trotzdem sollte man hier immer vorsichtig sein, da diese Regionsfreundlichkeit in einigen Fällen dadurch erreicht werden soll, dass ein falscher und weitaus niedrigerer Warenwert auf dem Päckchen vermerkt wird. Dies wiederum erfüllt den Tatbestand des Betrugs bzw. der Steuerhinterziehung. Gebt ihr beim Abholen beim Zollamt dann aber den richtigen Betrag an, bzw. zeigt die richtige Rechnung vor, werden anhand dieser dann die zu zahlenden Gebühren berechnet und ihr könnt eure Ware ohne Probleme mitnehmen.

Manche Projektgründer lassen die Versandkosten direkt beim Unterstützen abhängig von eurem Versandziel mit einbeziehen, andere lassen sie zunächst weg und erheben sie später im sog. Pledge Manager. Ein „PM“ ist eine Art Online Shop, in dem man sein Pledge verwalten, etwaige Erweiterungen hinzufügen und seine Versandadresse verwalten kann. Werden die Versandkosten erst im Pledge Manager erhoben, werdet ihr normalerweise irgendwo auf der Projektseite oder in der FAQ einen Abschnitt finden, der die ungefähr zu erwartenden Kosten auflistet – die sich aber (abhängig vom Umfang eurer „Bestellung“) noch ändern können. Mit welchen Versandkosten ihr rechnen müsst, gilt es also aufmerksam im Vorfeld zu prüfen, um später keine Überraschungen zu erleben. Gerade im Fall von Spielen mit viel Material werden die Versandkosten mittlerweile hinterher berechnet, da vor Projektende die Kosten nie zu 100% genau bestimmt werden können und dies das ein oder andere Projekt im Nachhinein viel Geld gekostet hat.

Ausblick

Im nächsten Teil widmen wir uns einigen Beispielen für gut und schlecht präsentierte Kampagnen, Entscheidungshilfen für oder gegen den Einstieg und wie es im Crowdfunding um die Qualität von Regelwerken bestellt ist.

Pierre

Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer
Pierre

 

Kommentare sind geschlossen