Geschichten von einem, der auszog, Miniaturen zu bemalen – Teil 3

In diesem Artikel zeige ich euch zwei einfache Mittel bzw. Handgriffe, mit denen Einsteiger ihren Figuren mit wenig Aufwand den letzten Schliff geben können. Außerdem ein Tipp, eure Figur zu reinigen, wenn das Ergebnis überhaupt nicht eurer Vorstellung entspricht, sowie einige Gedanken zum Bemalen von Augen.

Waschen, Föhnen, …

Wash (auch „Shade“ (Games Workshop) oder „Tone“ (Army Painter)) ist im Prinzip Farbe von wässriger Konsistenz, die sich in Ritzen, Rillen und Vertiefungen der Figur verteilt, und im getrockneten Zustand selbige deutlicher zur Geltung bringt – jedoch kaum deckt. Sie sorgt dafür, dass unauffällige Strukturen besser zur Geltung kommen und verleihen den Figuren etwas mehr Lebendigkeit.

Das „Washen“ an sich ist keine Technik, oder etwas, für das man großartig Übung braucht. Daher möchte ich im Folgenden einige Dinge in Bezug auf die Benutzung von Wash teilen, die ich im Laufe der Zeit auf gelernt habe, und für Anfänger in die Kategorie „Gut zu wissen“ fallen könnten:

Washes können die Farben, auf die man man sie aufträgt abdunkeln, wenn man sie großflächig aufträgt (was ich auch tue) und den gemalten Farbton insgesamt beeinflussen.

Eigentlich ist Wash dafür gedacht, Strukturen hervorzuheben, ich verteile es aber auf praktisch alle Flächen der Figuren (jeweils mit den passenden Farben), weil ich finde, dass sie dann detaillierter wirken, als sie sind. Hersteller würden hier was von „dynamisch“ oder „lebendig“ faseln, und würden nicht einmal damit lügen.

Ich trage Wash auf, nachdem die Figur im Prinzip „fertig“ ist – ihr also nur noch Akzente (Wash, Bürsten, Metallic-Elemente und ggfs. Augen) fehlen. Dazu verwende ich einen buschigen Pinsel, der die Flüssigkeit gut aufnehmen kann, um sie großzügig auf den jeweiligen Farben zu verteilen. Wichtig ist, dass man die Figur immer mal wieder von allen Seiten kontrolliert, um zu vermeiden, dass zu viel aufgetragenes Wash sich irgendwo sammelt. Sollte das passieren, muss es schleunigst mit dem Pinsel aufgenommen werden. Passiert das nicht rechtzeitig, hinterlässt das teilweise getrocknete Wash unschöne Ringe.

Vorher…

Im Bild die Figur „Keesi & Og“ aus Myth. Hier fehlen noch die Augen der beiden sowie die Zähne des kleinen grünen Gnubbels auf dem Rattenrücken. Das sieht grundsätzlich schon mal nicht schlecht aus, ist aber noch recht unspektakulär. Insbesondere das strukturierte Fell der Ratte eignet sich, um mit Wash und Trockenbürsten hervorgehoben zu werden. Die Unterarmwickel sind mit tiefen Rillen versehen, die mit bloßem Auge kaum auffallen. Auch sie gieren förmlich nach Wash.

Meistens ist die Farbwahl (sofern ihr eine größere Auswahl an Washes zur Hand habt) offensichtlich. Manchmal lohnt es sich aber auch, zu mischen und zu experimentieren. Das Fell der Ratte ist (was auf dem ersten Bild leider nicht ganz rüberkommt) eine Mischung aus grau mit etwas braun. Also habe ich braunes und schwarzes Wash gemischt und das Fell damit großzügig eingedeckt.
Die Unterarmwickel sind mit braunem Wash behandelt, was ich fast immer bei solchen Materialien mache.
Die hautfarbenen Flächen sind mit entsprechendem Wash eingedeckt. Wenn ihr Figuren mit ebensolchen bemalt, lohnt es sich auf jeden Fall, sich ein solches Wash anzuschaffen!

Notiz am Rande: Müsst ihr Feuer malen? Bemalt es knallgelb und tragt orangefarbenes Wash auf. Perfekt für Bürstfaule.

…und nachher

Auf dem Zweiten Bild ist die Struktur des Fells nun etwas auffälliger, wenngleich nicht übermäßig auffällig (was allerdings auch daran liegt, dass Wash und Bürsten auf Fotos nicht immer gut zu sehen sind). Wichtig ist, dass die Vertiefungen der Struktur abgedunkelt sind. Je nachdem, wie kontrastreich die Strukturen sein sollen, kann man Wash stärker/dunkler auftragen, und Highlights heller bürsten – oder eben andersherum, das ist Geschmackssache.

Wem das Ganze zu langsam trocknet, der kann es vorsichtig mit dem Föhn beim Trocknen unterstützen (auch, wenn es den Lebenspartner beim Fernsehgucken stört).

Ist das Wash durchgetrocknet (und erst dann) kommt das Trockenbürsten.

…Trockenbürsten

Jetzt kommt eine simple Technik, mit der man Highlights setzen kann und die Strukturen, die man mit Wash versehen hat, voll zur Geltung zu bringen kann: das Trockenbürsten. Auch hier gilt: wenig Aufwand, ganz viel „Wow“.

Im Bild seht ihr zwei Rattlinge – ebenfalls aus Myth – beide sind bereits mit Wash behandelt, das Fell des Linken ist gebürstet, das des Rechten noch nicht. Das Ganze kostet pro Figur keine 10 Minuten und wertet das Ergebnis enorm auf.

Besonders Fell, Haare und andere deutlich ertastbaren Strukturen kann man durch Trockenbürsten hervorheben. Aber auch vereinzelte Ecken, Kanten, Linien und dergleichen lassen sich – vorsichtig angewandt – gut herausarbeiten (siehe weiter unten beim Ia-Versteck).

Bürst-Basics

Nehmt die Farbe zur Hand, mit welcher ihr die zu bürstende Fläche bemalt habt. Mischt sie mit einem Tropfen weiß und nehmt eine Winzigkeit davon auf den Pinsel, den ihr zum Bürsten auserkoren habt (siehe auch im ersten Artikel). Streift die Farbe auf einem Papiertuch ab, bis die meiste Farbe vom Pinsel runter ist und nur noch Pigmente (und keine Farbstreifen) auf dem Papier bleiben (siehe Bild).

Nun über die Struktur streichen, ohne mit dem Pinsel in die Vertiefungen zu geraten – also quer zur Struktur arbeiten. Um den Kontrast zu verstärken könnt ihr die Farbe anschließend weiter aufhellen und erneut bürsten. Achtet darauf, dass der Pinsel möglichst trocken ist, weil Restfeuchtigkeit (also Wasser – nicht Farbe an sich) die Farbe auf der Figur verschmieren kann, was den gewünschten Effekt ruinieren kann.

Wie das ganze auf Fell aussieht, seht ihr oben. Am Bild nebenan könnt ihr anhand eines Ia-Versteckes (aus…wait for it…Myth) zwei weitere Einsatzmöglichkeiten des Trockenbürstens sehen. Ecken und Kanten hervorheben sowie Farbübergänge schaffen.

Ecken und Kanten

Bei den Ecken und Kanten gilt im Prinzip das gleiche wie bei Fell. Die Farbe wird aufgehellt und vorsichtig aufgetragen. Dabei finde ich es allerdings wichtig, einen besonders starken Kontrast zu erreichen, damit die Kanten auch sofort als solche erkannt werden können (sofern das Setting, in dem sich die Figuren bewegen, das hergibt – Myth ist ein comichaftes Spiel, daher passt das perfekt).
Zieht den Pinsel in einem flachen (sptzen) Winkel über die Ecke und achtet darauf, die Borsten nicht jenseits der Kante landen zu lassen. Anders als beim Bürsten von Strukturen darf der Pinsel nicht in einem zu stumpfen Winkel angesetzt werden, sonst könnten vereinzelte Pigmente gegen den Rest der Figur gesprenkelt werden, was natürlich nicht schön aussieht.

Achtet hier ganz besonders darauf, dass der Pinsel keine Restfeuchtigkeit (wie oben beschrieben) aufweist!

Farbübergänge

Zwei Farben ineinander übgergehen zu lassen stellt für mich auch heute noch die Königsdisziplin dar. Im Bild oben seht ihr mit blau und orange zwei besonders gegensätzliche Farben. Blau und Orange seien im Folgenden Platzhalter für die Farben, mit denen ihr arbeiten würdet, sodass ihr euch am Bild orientieren könnt.

Sucht euch eine Farbe, bzw. dessen Bereich, aus, der „unten“ sein soll – im Beispiel ist es blau. Malt diesen wie gewohnt aus und bemalt auch ein Stück weit den Bereich, der eigentlich bereits andersfarbig (hier orange) sein sollte, in blau.
Nun fangt ihr an, orange zu bürsten. Lasst dabei etwas mehr Farbe auf dem Bürstpinsel als sonst – beim Bild mit den 3 grünen Streifen oben würdet ihr schon nach dem ersten „Abstrich“ aufhören.
Bürstet von einer Stelle, die vollständig orange sein soll, analog zum Papiertuch die Farbe einigermaßen deckend, und nähert euch – nur noch Pigmente auftragend – dem blauen Bereich. Je näher ihr an blau herankommt, desto vorsichtiger und sanfter müsst ihr bürsten, damit der Übergang möglichst weich wird.

An und für sich kann man Farbübergänge auch mit verdünnten Farben erreichen, Trockenbürsten gelingt mir persönlich jedoch besser.

Und nochmal von vorn

Wenn das Ergebnis am Ende allen Bemühungen zum Trotz nicht zufriedenstellend ist, könnt ihr natürlich alles neu übermalen, aber das birgt die Gefahr, dass Details zugekleistert werden.
Wenn ihr wirklich bei null anfangen möchtet, gießt Brennspiritus (scharfes Desinfektionsmittel geht auch, ist aber deutlich teurer) in eine Schüssel und legt die Figur dazu. Lasst es kurz einwirken und bürstet die Farbe gründlich mit einer ausgedienten Zahnbürste von der Figur ab.

Augenwischerei

Das Bemalen von (menschlichen) Augen ist etwas, an das ich mich bis heute ungern heranwage. Meine bisherigen Versuche waren normalerweise nicht wirklich zufriedenstellend; die Figuren wirkten meistens befremdlich und ließen die Figur insgesamt unschön aussehen. Im Bild seht ihr Sarkomanten aus Descent (2te Edition), die zu meinen ersten Mal-Versuchen zählen. Die Augen sehen eher gruselig denn glaubwürdig aus.

Deshalb bemale ich die Augen menschlicher Figuren schlicht mit Hautfarbe und gebe jeweils einen Tropfen hautfarbenes Wash hinein. Die Schattierung genügt dem Auge des Betrachters normalerweise, um sich den Rest zu „denken“. Auf dem Spielbrett sieht man das dann ohnehin nicht mehr.

Das gilt (wie oben bei den Rattlingen zu sehen) nicht unbedingt für Augen von nicht-menschlichen Kreaturen. Hier genügt oft ein einfacher weißer (oder andersfarbiger) Punkt, um einen passablen Eindruck zu machen. Bei menschlichen Figuren genügt das aber nicht – die Figur sähe wie von einem Dämon besessen aus.

Hier ein Video (Link), welches das Bemalen von kleinen Augen vorführt. Probiert es einfach mal aus.

Und dann kam Arcadia Quest

Die Figuren von Arcadia Quest (AQ) sind im Chibi-Stil gehalten, bei dem der Kopf und damit auch die Augen relativ groß sind. Mit Wash kann ich mir die Augen da nicht mehr schönschummeln.
Auf Youtube gibt es ein Video (Link), welches das Bemalen von Chibi-Augen gut erklärt. Dazu noch ein paar Anmerkungen:

  • Wenn die Figur nicht wie ein Wahnsinniger aussehen soll, darf die Iris nicht gänzlich vom weiß der Augen umgeben sein, finde ich. Lasst sie ein kleines Stück „unter“ dem oberen Augenlid verschwinden.
  • Für das Malen der Iris ist (nach meiner bescheidenen Erfahrung) ein etwas formstabiler Pinsel besser geeignet, als einer, der schon bei leichtem Druck anfängt sich aufzufächern.
  • Malt die Iris ein winziges Stück mehr nach Innen, als nach außen. Das sieht „menschlicher“ aus, als wenn sie genau in der Mitte der Augen liegt.
  • Im Video sind die Wimpern modelliert und lassen sich leicht bemalen. Bei AQ ist das nicht der Fall. Mit einem feinen Pinsel könnt ihr einen kleinen schwarzen Strich an die inneren Kanten der Augenlider ziehen und beinahe den gleichen Effekt erzielen, was eine Menge ausmacht.

Im Bild die Figur Jøhan. Links der erste missglückte Versuch. Die Iris ist ganz vom Weiß der Augen umgeben und er sieht aus, als stünde er kurz vor einem Ausbruch. Rechts der zweite Versuch (nachdem er ein Spiritusbad genommen hat. Spiritus ist toll!). Die Iris verschwindet minimal unter den Augenlidern und die Figur hat Wimpern verpasst bekommen.

Ich bin hier dazu übergegangen, das Gesicht und die Augen als erstes zu bemalen, wenn Motivation und Geduld noch am größten sind. Sieht das Ergebnis dann völlig versaubeutelt aus, kann man auch ohne großen Schaden von vorn beginnen. Mit einem Wattestäbchen und Spiritus kann man die Riesenaugen bei Bedarf auch recht gezielt freilegen.

Schaut euch die Figur nach dem Bemalen der Augen auf einer halben Armlänge entfernt an. Sieht es gut aus? Wenn ja, lasst es am besten so – auch, wenn es aus der Nähe besehen nicht 100%ig ist. Im Bild rechts sind auch kleine Zinken zu erkennen, aber auf normale Entfernung sieht man das nicht. Das Risiko, gelungene Augen noch wegen solcher Kleinigkeiten zu versauen, ist mir persönlich zu groß und zu oft passiert.

Alle Artikel aus dieser Mal-Serie:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Pierre

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Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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2 Kommentare

  1. Spitzenguide für einen Anfänger. Nächste Woche gehts los.

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