Interview – Conrad Hamel

© Hamel

Mit Magia cum Laude möchte Conrad Hamel sein Debüt als Spieleautor geben. In Magia cum Laude schlüpfen 2 -6 Spieler in die Rolle von Zauberlehrlingen, die ihre Abschlussprüfung absolvieren wollen. Eine erste Finanzierung über Kickstarter ist letztes Jahr gescheitert, doch Conrad hat die Zeit genutzt und wird nach Ostern einen zweiten Versuch wagen. Wir haben uns mit ihm über sein Erstlingswerk unterhalten.

Peer: Hallo Conrad, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Bitte stell dich unseren Lesern einmal vor.

Conrad: Hallo Peer. Wie du ja bereits sagtest, heiße ich Conrad, ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und habe eine kleine fast dreijährige Tochter. Zu den Brettspielen bin ich schon vor über 20 Jahren gekommen. Damals hat mich das Fieber mit Siedler von Catan gepackt. Als Spieleautor habe ich mich bereits in der Schule befasst, da ich festgestellt habe, dass ich durch das Spielen einer Situation diese besser begreife und das Ganze besser lernen kann. Das waren aber nur Spiele für mich selbst. Dass ich wirklich ein Spiel herausbringen möchte ist seit 2012 der Fall.

Peer: Dein erstes veröffentlichtes Spiel soll Magia cum Laude werden. Worum geht es in dem Spiel?

Conrad: In Magia cum Laude geht es um sechs Zauberlehrlinge, die ihre Abschlussprüfung absolvieren wollen. Dazu müssen sie in einem Turmzimmer Magiekristalle einsammeln, mit denen sie dann eine Kreatur beschwören können. Die Lehrlinge werden dabei aber von den Meistern, also den Spielern, bewegt. Der Meister, der es schafft seinen beiden Lieblingslehrlingen zum Erfolg zu verhelfen, kann das Spiel beenden. Zusätzlich wollen die Meister aber auch Hilfe für einen eigenen Spruch bekommen.

Peer: Endet das Spiel erst wenn einer der Meister seinen beiden Lieblingslehrlingen zum Sieg verholfen hat oder gibt es einen Mechanismus, der die Spielzeit begrenzt und die Spieler ein wenig „unter Druck setzt“?

Conrad: Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das Spiel enden kann. Sollte es kein Meister schaffen die Sprüche seiner Lehrlinge vollzubekommen, endet das Spiel, wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Dann ist quasi die Prüfungszeit abgelaufen. Somit wird die Spieldauer auf ca. 45 bis 60 Minuten festgelegt.

Peer: Haben dann alle Spieler das Spiel verloren?

Conrad: Nein, dann kommt es auch zu einer Auswertung. Es gibt Siegpunkte für erfüllte Lehrlingssprüche, für seinen Meisterspruch, gesammelte Kristalle und das Beenden des Spiels. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt Magia cum Laude.

Peer: Du hast erwähnt, dass die Meister nicht nur ihren Lehrlingen helfen wollen, sondern auch selbst Hilfe für einen Zauberspruch benötigen. Wie wird dies im Spiel abgebildet und was hat das für Auswirkungen auf das Spiel?

Conrad: Jeder Meister hat zu Beginn zwei verdeckte Karten vor sich liegen. Zum einen die Karte mit seinen beiden Lieblingslehrlingen und zum anderen seinen Meisterspruch. Kristalle, die ein Lehrling einsammelt, aber für seinen Spruch nicht braucht, bekommt der Meister. Somit bewegt jeder Meister auch jeden Lehrling und nicht nur seine Favoriten.

Peer: Bereits letztes Jahr hast du Magia cum Laude auf Kickstarter zur Finanzierung eingestellt und im Laufe der Kampagne abgebrochen. Was war der Grund dafür und wie unterscheidet sich die jetzige Version des Spiels von dem Spiel von vor einem Jahr?

Conrad: Ich habe die Kampagne letztes Jahr wenige Stunden vor dem Auslaufen abgebrochen, weil eine Finanzierung nicht mehr möglich war. Jetzt habe ich zum einen die Graphik des Spiels, dank Christian Opperer fast fertig und zudem extra für das Spiel angefertigte Zinnminiaturen für die Lehrlinge und den Prüfer. Außerdem haben wir auch die Kickstarterseite stark graphisch überarbeitet und noch mehr Erklärvideos eingebettet.

Peer: Hat sich spielerisch noch etwas geändert? Was für eine Funktion hat der Prüfer im Spiel?

Conrad: Spielerisch hat sich an Magia cum Laude nichts mehr geändert. Der Prüfer hat mehrere Funktionen im Spiel. Auch er kann von den Spielern bewegt werden. Zum einen kann er direkt Kristalle für diesen Spieler sammeln, zum anderen muss, wenn beide Lehrlingssprüche vollständig sind, einer der beiden Lehrlinge mit dem Prüfer zusammenkommen, um das Spiel beenden zu können.

Peer: Wie lange hast du insgesamt an Magia cum Laude gearbeitet?

Conrad: An Magia cum Laude habe ich erstaunlich kurz gearbeitet. Ich hatte vor einigen Jahren, wie ich auch in einem Video der Kickstarterkampagne erkläre, von dem Spiel geträumt und das dann aufgeschrieben. Von da an stand die Mechanik und das Thema. Ich musste nur noch ein wenig ausbalancieren, um die Spielzeit entsprechend niedrig zu halten. Insgesamt habe ich am Spiel nur rund 2 Monate gearbeitet. Aber die anderen Bestandteile wie Werbung, Graphik und so weiter haben wesentlich länger gedauert.

Peer: Und wie lange wurde das Spiel getestet?

Conrad: Das Spiel wurde in vielen Runden über zwei Jahre getestet. Es hat sich in all der Zeit herausgestellt, dass das Spiel sehr solide ist. Die Spielweise ändert sich ein wenig, wenn man jetzt beispielsweise statt zu dritt eine Runde zu sechst spielt, aber es funktioniert mit allen Spielerzahlen erstaunlich gut.

Peer: Kannst du uns schon etwas darüber verraten, was deine Unterstützer von der Kickstarter-Kampagne erwarten können? Wird es exklusive Stretch Goals geben?

Conrad: Die Kickstarter-Kampagne beginnt direkt nach Ostern. Es wird einige Early Birds geben und auch einige Spiele mit handbemalten Figuren. Bei den Stretch Goals wird es ein oder zwei Kickstarter exklusive Sachen geben, aber auch neue Formen für die Lehrlinge. Momentan gibt es eine Lehrlingsfigur, die in allen Farben gleich aussieht, durch die Stretch Goals könnten am Ende alle unterschiedlich aussehen.

Peer: Noch ist es zwar etwas hin, aber planst du schon für die Zeit nach der Veröffentlichung von Magia cum Laude? Hast du bereits weitere Spiele in Arbeit, oder wirst du mit deinem Spiel erstmal „nur“ ausgiebig „auf Tour“ gehen?

Conrad: Ich habe geplant, dass Magia cum Laude zu Essen ’17 fertig sein sollte. Daher versuche ich dort einige auf mein Spiel ansprechen zu können. Aber ich habe auch schon drei weitere Spiele in Arbeit. Eines – Ruf der Zarin – kann wohl bald in den Testmodus, die anderen beiden brauchen noch ein wenig bis sie soweit sind. Ich bin dort noch am ausbalancieren für ein flüssiges Spiel. Ich habe aber auch schon Ideen für weitere Spiele im Hinterkopf.

Peer: Kommst du privat überhaupt noch zum Spielen?

Conrad: Ja klar! Es ist zwar leider nicht ganz so viel wie ich gerne würde, aber ich komme in der Regel doch auf ca. zweimal Spielen pro Woche. Die ganz langen und komplexen Spiele müssen leider meist auf Spieleconventions warten, aber Spiele bis zu maximal 2h sind doch auch unter der Woche mal drin.

Peer: Welches waren deine Spiele-Highlights des vergangenen Jahres und auf welche Spiele freust du dich in 2017?

Conrad: Mal ganz abgesehen vom Hype fand ich wohl Martians: A Story of Civilization, Not Alone und Scythe am besten, zumindest habe ich sie am häufigsten gespielt. Für 2017 freue ich mich auf Zeitalter der Diebe, Charterstone und 7th Continent.

Peer: Gibt es Spielmechanismen, die dich, sowohl als Autor als auch als Spieler, besonders begeistern und welche, die du als absolut nicht gelungen betrachtest? Welche sind dies und warum?

Conrad: Ich lasse mich eigentlich von fast allen Spielmechanismen begeistern. In einem Spiel kommt es auf die passende Zusammensetzung dieser Spielmechanismen an. In meinen Spielen habe ich oft ein Deduktionselement drin, seien das einfach verdeckte Karten, geheime Ziele oder sonstige Informationen. Ich mag es, wenn man nicht alle Informationen vom Spiel geliefert bekommt und sich auch mit seinen Mitspielern beschäftigen muss, um herauszubekommen, was diese denn wissen oder machen wollen. Das bringt auch ein wenig Interaktion mit ins Spiel. Den Mechanismus, den ich wohl mit am wenigsten mag ist „roll and move“. Ich finde da nichts Spannendes dran.

Peer: In der Brettspielszene gibt es viele Personen, die gerne einmal ein Spiel entwickeln oder sogar veröffentlichen möchten, was kannst und möchtest du diesen Personen raten?

Conrad: Wenn sie ein gutes Spielkonzept haben sollen sie es gerne versuchen. Es ist wichtig ein paar Kontakte und ein Netzwerk zu haben, egal wie man das Spiel veröffentlichen will. Ein guter Anfang dazu ist sicherlich die Spieleerfindermesse in Haar oder Göttingen bzw. der Hippodice-Wettbewerb. Aber versucht bitte nicht den x-ten Abklatsch von Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht herauszubringen. Das will keiner sehen und bringt euch auch nichts.

Peer: Was ist, deiner Meinung nach, der Vorteil von Crowdfunding gegenüber dem klassischen Verlag? Warum setzt du auf Crowdfunding?

Conrad: Ich hatte es zunächst bei Verlagen versucht und keinen Erfolg gehabt. Ich denke man muss schon echt Glück und ein im Prinzip fertiges Spiel haben, um als Neuautor bei einem Verlag unterzukommen. Allerdings hatte ich damals noch keine Grafik und somit war es bei der Masse an neuen Spielen, die es jedes Jahr gibt, noch nicht herausstechend genug. Ich war und bin aber weiterhin sehr von Magia cum Laude überzeugt, dass es ein gutes Spiel ist. Darum habe ich mich für das Crowdfunding entschieden. Ich nutze das Crowdfunding, um die finanziellen Mittel für die Produktion zusammenzubekommen. Ein weiterer positiver Effekt ist sicherlich die Breitenwirkung, die man über Kickstarter erreicht. So kann weltweit jeder der möchte ein Spiel bekommen. Bei einem Verlag wäre ich auf Deutschland beschränkt gewesen. Allerdings gibt es auch Risiken und viel mehr zu tun, um bei Crowdfunding wirklich erfolgreich zu sein.

Peer: Was siehst du als die größten Risiken von Crowdfunding an?

Conrad: Das größte Risiko ist es, dass man sich verkalkuliert und alles viel teurer wird, als gedacht und so das Spiel nicht produzieren kann oder man massiv in die Schulden gerät. Beim Crowdfunding ist man ja für alles alleine verantwortlich ohne Netz und doppelten Boden. Auch die Werbung und der Vertrieb, die Kommunikation nach innen und außen, die Absegnung einzelner Produktionsschritte usw. wird alles von einem selbst getragen, und das meist noch neben einem anderen Job. Das ist schon eine gewaltige Aufgabe, die gestemmt werden muss, und das meist ohne entsprechende Erfahrung in den meisten Bereichen.

Peer: Die letzten Worte gehören dir.

Conrad: Dann danke ich dir für das Interview und hoffe, dass ihr euch alle Magia cum Laude auf Kickstarter mal anseht. Es steckt weit mehr Arbeit in so einem Projekt als die meisten ahnen. Gebt mir die Chance euch zu Begeistern und lasst meinen Traum wahr werden.
Bis dahin!

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