Interview – Mario Truant

© Mario Truant

Eigentlich wollten Mario und seine Freunde es nur besser machen und haben damit angefangen eigene Rollenspielabenteuer zu schreiben, später ist daraus dann sein Verlag Mario Truant Spiele entstanden. 

Peer: Hallo Mario, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Bitte stell dich unseren Lesern einmal vor.

Mario: Hallo Peer, gerne doch. Zunächst einmal kurz zu meiner Person: Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder. Wir leben in der wunderschönen Weinstadt Mainz am Rhein, an deren zahlreichen Festivitäten wir auch sehr gerne teilnehmen.

Zum Hobby selbst: Ich bin nun seit ein paar Jahren als Verleger, Herausgeber, Redakteur, Produktioner usw. unterwegs. Waren es in der Anfangszeit nur Fantasy-Rollenspiele, kamen dann mehr und mehr Brett- und Kartenspiele hinzu, sowohl im eigenen Verlag als auch bei Tätigkeiten für andere Verlage. Meine ersten Produkte in diesen Kategorien waren:

– „Merlins Zauberlieder“ erschien In den späten 80ern bei der „Edition Troll“. Das war eine Abenteueranthologie mit Spielwerten für AD&D, D&D, DSA und Midgard.

– Das Brettspiel „Ascalion“ erschien in den frühen 90ern bei der „Welt der Spiele“, eine Übersetzung und Neugestaltung aus dem Amerikanischen.

Peer: Wann und wie bist du das erste Mal mit Rollenspielen und Gesellschaftsspielen in Kontakt gekommen?

Mario: Rollenspiele, genauer AD&D  hat ein Freund in einem SF-Magazin entdeckt. Bei einem unserer gemeinsamen England-Urlaube war ich auch das erste Mal in einem Rollenspielladen … 1980. Es hat noch über ein Jahr gedauert, bis wir endlich zum Spielen gekommen sind. AD&D war und ist ja für Anfänger nicht so wirklich geeignet.

Bei Gesellschaftsspielen ist das nicht so einfach. Da kommt es drauf an, was wir alles mitzählen. Mit meiner Mutter habe „Halma“ gespielt und mit meinem Vater „Mühle“. Später hat mir mein Cousin „Monopoly“ gezeigt. Das hat mich richtig neugierig gemacht, aber ich habe lange nichts anderes gefunden, bis ich dann in Koblenz in einem Spielzeugladen auf „Risiko“ und andere Parker-Spiele gestoßen bin. Das war in den 1970ern.

Peer: Was hat dich dann letztendlich dazu bewogen einen eigenen Verlag zu gründen?

Mario: Wir wollten es wie viele Rollenspieler einfach besser machen. Mit einigen Freunden haben wir Rollenspielabenteuer geschrieben und getestet. Dann haben wir einen Weg gesucht, sie professionell zu gestalten und veröffentlichen. Daraus entstand zunächst die Edition Troll, die später in den Mario Truant Verlag überging.

Peer: Dies waren „Merlins Zauberlieder“? Wie war es für euch euer erstes eigenes Produkt in den Händen zu halten?

Mario: Wir waren begeistert! Unser erstes professionelles Produkt mit Vierfarbcover und Glanzfolienkaschierung. Auf Empfehlung von Elsa Franke waren wir in der Druckerei, wo die Midgard-Bücher damals gedruckt wurden. Merlins Zauberlieder wurde übrigens mit Pagemaker (1987) auf Mac gesetzt, in einem Satzstudio. Und wir waren der erste Verlag aus der Rollenszene, der einen Strichcode auf seinen Büchern verwendete.

Peer: Wie ging es nach der Veröffentlichung des ersten Produkts weiter? Warum die Umbenennung in Mario Truant Verlag?

Mario: Gralfsee, die Fantasystadt war 1988 unsere zweite Veröffentlichung. Fast alle Texte darin stammen von mir und ich habe die große Stadtkarte selbst gezeichnet, damals mit einem 0,1 mm Rotring-Stift auf Folie. Dafür habe ich 150 Stunden Zeit reingesteckt. Danach kamen Anthologien mit Stadtabenteuern und weitere Universalabenteuer, die meisten mit Spielwerten für AD&D, DSA und Midgard.

Die Edition Troll war eher ein gemeinsames Spaßprojekt mit Freunden. Sie ging dann 1990 in den Mario Truant Verlag über. Ich wollte in den Bereich weiter tätig sein. Meine Partner hatten andere Prioritäten. Wir sind immer noch Freunde und spielen zusammen … Fantasy-Rollenspiele.

Peer: Hast du Mario Truant Spiele schon damals mit Gedanken gegründet irgendwann nichts anderes mehr machen zu wollen, oder war dir einfach wichtig auch weiterhin Werke publizieren zu können?

Mario: Wohl beides. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits auch als Redakteur und Projektmanager für die Welt der Spiele GmbH in Frankfurt gearbeitet. Dort erschien 1990 die erste deutsche PARANOIA-Ausgabe unter meiner Federführung.

Peer: Mittlerweile veröffentlichst du ja nicht nur Rollenspiele, sondern auch Gesellschaftsspiele. Wann und warum hast du dich dazu entschieden?

Mario: Es war auf einer großen Spielemesse im Frühjahr in Paris 1997 oder 1998. Groß heißt mehr als 200 000 Besucher in 10 Tagen. Eine Messe für Miniaturen, Brettspiele und es gab auch eine Ecke für Rollenspiele. Ich habe dort meine Lizenzgeber von In Nomine Satanis (Asmodee) besucht.  Marc Nunes, der Chef von Asmodee, hat mir dort einige interessante Sachen gezeigt, unter anderem die wunderschönen Brettspiele von Tilsit Edition. So war dann Africa 1880 mein erstes richtiges Brettspiel im eigenen Verlag.

1999 hat mich John Nephew (Atlas Games) auf der GAMA trade show in Las Vegas James Ernest (Chepass) vorgestellt. Ich habe mich sofort in die einfachen, aber sehr unterhaltsamen Spiele fürs kleine Portemonnaie verliebt. Kill Doktor Lucky war das erste Cheapass Games und ist bis heute mein Bestseller!

Peer: Was waren deine persönlichen Spiele-Highlights 2016 und auf welche Spiele freust du dich in 2017?

Mario: Time Stories war mein absolutes Spiele-Highlight. Time Stories ist für mich die beste Umsetzung des Rollenspiel-Konzeptes als Brettspiel.

Ich freue mich am meisten auf die Trudvang Chronicles, genauer erst einmal auf die Arbeit an den Chronicles.

Peer: Welche Messe/n besuchst du immer gerne und warum?

Mario: Ich bin ein großer Fan der SPIEL in Essen. Es ist zwar immer ein mörderischer Stress, aber es macht verdammt viel Spaß. Vielleicht sieht man es mir nicht immer an, wenn ich wie letztes Jahr am dritten Tag wir ein Zombie rumgewandelt bin. Ansonsten bin ich immer gern auf vielen Conventions unterwegs.

Peer: Auf was können wir uns von dir in 2017 freuen?

Mario: Zwei Bücher für Fantasy AGE, Titansgrave- Die Asche Valkanas und das Bestiarium sowie Barbarians of Lemuria, ein Schwert und Magie-Rollenspiel.

Die Neuauflage für Herr der Fritten ist angesagt.

Eigene Kartenspiel-Neuentwicklungen werden sich noch ein wenig hinziehen, vielleicht sogar nach 2018 wandern.

Peer: Kannst du uns schon etwas zu den Kartenspiel-Neuentwicklungen sagen?

Mario: Die Neuauflage von Herr der Fritten kommt in Farbe im Herbst. Über die zwei Eigenentwicklungen lässt sich noch nicht allzu viel sagen. Das eine ist ein Erzählspiel, das andere ein Krimi, eher ein Krimisystem mit vielen möglichen Fällen. Beides wird erst was in 2018.

Peer: Wie ist bei dir die Aufteilung zwischen privatem Spielen und dem Spielen für den Job?

Mario: Das lässt sich nicht immer so einfach trennen. Ich spiele privat Brett-, Karten- und Rollenspiele, aber auch sehr gerne und oft traditionelle Spiele wie Doppelkopf und Mah Jongg. Zwei- bis dreimal im Jahr verschwinde ich für ein paar Tage und spiele dann aufwändige Strategiespiele von Avalon Hill, FFG, GMT etc.

Peer: Was rätst du Menschen, die mit dem Gedanken spielen einen eigenen Verlag zu gründen?

Mario: Am besten zur Spiel nach Essen fahren, sich da umschauen und sich fragen: „Ist das was für mich?“ Es gibt einfachere Methoden, wenn es nur darum geht, ein selbst entwickeltes Spiel zu verlegen, anstatt eine eigene Firma zu gründen.

Peer: Zum Beispiel Crowdfunding oder an Wettbewerben teilzunehmen?

Mario: Zu Crowdfunding kann ich nichts sagen. Wettbewerbe sind sicherlich eine Möglichkeit, um eigene Spiele vorzustellen.

Peer: Die letzten Worte gehören dir.

Mario: Ich freue mich über einen Besuch am Stand auf einem der zahlreichen Conventions oder einer Messe. Ich bin als nächstes auf der FeenCon in Bonn-Bad Godesberg. Danke für das Gespräch.

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