Angespielt – Kampf gegen das Spießertum

Ihr mögt tiefschwarzen Humor, Partyspiele und stört euch nicht daran, wenn es auch mal (oder des öfteren) unter die Gürtellinie und nicht immer politisch korrekt zugeht? Dann seid ihr bei „Kampf gegen das Spießertum“ genau richtig. Einem Party-Kartenspiel, das vor nichts und niemandem halt macht und absolut nicht jugendfrei ist.

Den Prototyp von „Kampf gegen das Spießertum“ haben wir von der Luzerner Spieleentwicklerin und Grafikdesignerin Angela Vögtli zugeschickt bekommen. Die Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung ihres Spiels läuft noch bis zum 15.09.2017. Ausprobieren könnt ihr den Prototyp bei unserem Partner, dem Hamburger Brettspiel-Café Würfel & Zucker.

Überblick

Der Prototyp

„Kampf gegen das Spießertum“ ist die deutsche Ausgabe des Schweizer Kartenspiels „Kampf gegen das Bünzlitum“, welches wiederum eine Hommage an das US-amerikanische Kartenspiel „Cards Against Humanity“ ist. Die fertige Version wird aus 150 gelben Fragekarten und 450 weißen Antwortkarten bestehen und ein Kampfgewicht von ca. 1,7 kg auf die Waage bringen. Dazu kommen dann eventuell noch durch Stretch Goals freigeschaltete Karten, darunter Blanko-Karten mit denen ihr eure eigenen Ideen dem Spiel hinzufügen könnt. Eine herkömmliche Anleitung liegt dem Spiel nicht bei, stattdessen werden die Regeln (die wirklich kurz und einfach sind) auf die Rückseite der Box gedruckt.

So einfach ist das

An dieser Stelle zitiere ich einfach mal die Regelbeschreibung der offiziellen Webseite, denn kürzer geht es nicht:

Jeder Fiesling zieht acht Karten vom weißen Stapel. Der Rundenboss zieht eine Karte vom gelben Fragestapel und liest diese laut vor.

Nun wählt jeder Spieler aus seiner Hand die lustigste und inkorrekteste Antwort und gibt diese verdeckt dem Rundenboss.

Der Rundenboss liest alle erhaltenen Antworten vor und wählt seinen Favoriten aus. Der Gewinner erhält die gelbe Karte als Trophäe zum Rumprollen.

Nun füllen alle Spieler ihre Hand wieder auf acht Karten auf und der Rundenboss geht im Uhrzeigersinn weiter – der bitterböse Spaß beginnt von vorne. Muahaha!

 

Ein paar gelbe Fragekarten

Um das Spielende zu bestimmen, legen die Spieler sich vorher auf eine Anzahl Runden oder gewonnene gelbe Karten fest oder spielen einfach solange, bis sie aus der Bar geworfen werden oder keine Lust mehr haben. Am Ende ist derjenige Spieler der Gewinner, der die meisten gelben Karten erhalten hat.

Je nachdem welche Karten die Spieler auf der Hand haben, kann (und wird) es dabei ziemlich fies und politisch unkorrekt zugehen und nicht selten kommt es vor, dass man kurz schlucken muss, bevor man sich dann doch überwindet und einfach laut loslacht. Manchmal waren bei uns die Lachanfälle so stark, dass wir eine kurze Pause einlegen mussten, damit alle sich wieder einkriegen und wir weiterspielen konnten.

Bei den vielen Kombinationsmöglichkeiten kann es allerdings gelegentlich auch mal vorkommen, dass man absolut nichts passendes auf der Hand hat und der Rundenboss dann dementsprechend ein paar sehr lahme Antworten bekommt. Meist war dies bei uns der Fall, wenn mehrere Name gelegt werden mussten. Dies fiel aber nicht sonderlich ins Gewicht, sondern wurde dann dazu genutzt, „unerwünschte“ Karten loszuwerden. Interessant war wiederum das Phänomen, dass man beim Nachziehen sehr oft hörte „Ach Mist, diese Karte hätte viel besser gepasst“.

Hommage, Kopie, Nachfolger? Was denn nun?

Ein paar weiße Antwortkarten

Wie eingangs erwähnt, ist „Kampf gegen das Bünzlitum“ eine Hommage an das amerikanische Kartenspiel „Cards Against Humanity“. Das Spielprinzip selbst ist nicht neu und wurde bereits in vielen anderen Spielen verwendet, so zum Beispiel in dem familienfreundlichen Kartenspiel „Apples to Apples“ (gab es früher auch mal auf deutsch), den Kartenspielen „BAM!“ bzw. „BAM! Extrahart! oder „BLÄNK“. Jedoch hat „Cards Against Humanity“ als erstes den Durchbruch geschafft und ist weltweit am bekanntesten.

Für die deutsche Ausgabe „Kampf gegen das Spießertum“ wurden viele Begriffe und Fragen angepasst bzw. komplett neu in das Spiel aufgenommen, denn sicher nicht jeder weiß zum Beispiel etwas mit Edelweisshemden, Röstigraben oder Uriella anzufangen. So bekommen wir Deutschen nun zum Beispiel Mettigel, Erdbeerkäse und Wutbürger. Auch viele Personen des öffentlichen Lebens aus Deutschland sind hinzugenommen sowie deutsche Supermärkte, Fernsehsender und andere Firmen/Dinge, die man hier so kennt und mehr oder minder gern hat.

Peer meint:

Als eingefleischter Fan von „Cards Against Humanity“ und englischem Humor (die Deutschen sind einfach nicht lustig), hatte ich anfangs meine Zweifel, ob ein deutschsprachiges Spiel, das in die gleiche Kerbe wie sein englischer Bruder schlägt, wirklich funktionieren kann. Jedoch konnte ich schon während der ersten Partie feststellen, dass „Kampf gegen das Spießertum“ wunderbar funktioniert und alle meine Mitspieler vollauf begeistert waren. Die Freudentränen flossen in Strömen. Es ging sogar soweit, dass ich an einem Testtag mit zwei Gruppen das Spiel jeweils einmal komplett durchgespielt habe und wir irgendwann mitten in der Nacht dann endlich nach Hause gegangen sind. 

 

Eins noch am Rande: Um dieses Spiel genießen zu können, wird Alkohol nicht benötigt.

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