Vorgestellt – EXIT: Das Spiel – 02/2017

Ein Spiel wie ein Kinoabend, statt Popcorn und einem Platz im dunkelroten Plüschsessel gibt es hier allerdings Futter für die grauen Zellen auf dem heimischen Sofa.

EXIT ist ein Spiel mit nicht ganz konventionellem Konzept: Statt einmaliger Anschaffung und dauerhaftem Spielvergnügen erhält man hier etwa zum Preis eines Kinotickets eine Schachtel voller Rätsel, die ein einziges Mal gelöst werden können. Das Spielprinzip lehnt sich dabei an den Trend der Live-Escape-Räume an, wo mehrere Spieler in 60 Minuten aus einem verschlossenen Raum entkommen müssen. Bei dieser Variante für Zuhause ist der Raum, aus dem es zu entkommen gilt nur in der Vorstellungskraft der Spieler zu finden. 1 bis 6 Rätselknacker können am Abenteuer teilnehmen.

Ein kleines Regelheft führt zunächst kurz in die Geschichte ein. Wieso genau stecken die Spieler gerade in ihrer misslichen Lage? Je nach Spielvariante kann der abgeschlossene Raum in dem das Spiel stattfindet ein Labor, eine verlassene Hütte im Wald oder gar die Grabkammer eines Pharaos sein. Allen Varianten ist eines gemein: die Spieler möchten sich befreien, und das am besten ganz, ganz schnell. Damit dies gelingt, müssen ein Einzelspieler oder das Team gemeinsam eine Reihe von Schlössern knacken, wozu es jeweils eines Codes bedarf. Um die Codes zu erhalten, müssen verschiedene Rätsel gelöst werden. Als Hilfsmittel stehen dabei ein mehrseitiges Heft, zum Beispiel in Form eines Laborbuches, und eine Drehscheibe zur Verfügung. Dazu kommen im Verlauf des Spiels Rätsel- und  Lösungskarten sowie „seltsame Teile“. Zusätzlich gibt es zu jedem Rätsel drei Hilfekarten.

Alles liegt bereit. Das Spiel kann beginnen.

Wie in der Anleitung angewiesen, werden schnell noch Schere, Stift, Stoppuhr und Schmierzettel zusammengesucht. Auf die Uhr gedrückt und los geht‘s. Jetzt gilt es, so schnell wie möglich alle Rätsel zu lösen, den Raum zu verlassen und die laufende Uhr wieder anzuhalten. Und wie funktioniert das jetzt? Am Anfang steht man nur mit seinem kleinen Heftchen bewaffnet da. Also erstmal wild geblättert.  Jede Menge unsinniges Zeug, Moment halt Stop. Da, ein Hinweis! Das erste Rätsel steht auf Rätselkarte 23. Die Karte aus dem Stapel suchen, los geht’s.

Lässt sich das Rätsel lösen? Fehlt noch irgendein Hinweis? Ist auf einmal das unsinnige Zeugs im Heft plötzlich gar nicht mehr so unsinnig? Jetzt sind Lösungsansätze gefragt. Die Aufgabe wörtlich nehmen? Oder um eine Ecke mehr denken? Gar nicht so leicht. Je mehr Köpfe hier zusammengesteckt werden, desto schneller ist oft eine Lösung gefunden.

Drehscheiben zum Überprüfen des Lösungscodes

Eine Lösung besteht immer aus einem dreistelligen Code. Aber ist der auch richtig? Dies wird mit Hilfe der Drehscheibe und Lösungskarten überprüft. Um ein Schloss zu knacken, wird der Code auf der Drehscheibe eingestellt. Ist der dreistellige Code komplett, wird in der Mitte der Drehscheibe eine Zahl sichtbar. Und jetzt kommen die nummerierten Lösungskarten ins Spiel: Die Karte mit der herausgerätselten Zahl wird aus dem Stapel gesucht und umgedreht. Ist die Lösung falsch? Verdammt… da muss wohl irgendetwas schiefgegangen sein. Ein Flüchtigkeitsfehler? Gelb mit Orange verwechselt, nicht richtig gezählt?

Rätselkarte mit dem falschen Code. Leider nochmal von vorne…

Das lässt sich schnell beheben. Kein auf die Schnelle zu findender Fehler? Das ist schon schlechter. Da muss das ganze Problem noch einmal von vorn durchdacht werden, unter Umständen auch aus einer völlig neuen Perspektive. Vielleicht ist die Lösung viel einfacher als zuerst angenommen? Vielleicht gibt es einen anderen Lösungsansatz? Oder lässt sich das Rätsel noch gar nicht lösen? Manchmal erhalten die Spieler mehrere Rätsel gleichzeitig, manchmal nur Teile von Ihnen. Da kann es auch mal eine gute Idee sein, ein zu schweres Rätsel erst mal etwas liegenzulassen. Stimmt der Code, darf man sich kurz freuen. Sofort werden aber auch neue Rätselkarten aufgedeckt. Allzu viel Zeit für Freudenausbrüche bleibt also nicht, denn schon ist das nächste Rätsel da und vor allem: die Zeit läuft.

Manchmal notwendig: ein bisschen Hilfe

Manchmal hängt man wirklich an einer Rätselnuss und kommt und kommt und kommt nicht weiter. Auch wenn der Griff zur Hilfekarte verlockend ist, sollte man es erst allein versuchen und auch anderen Teammitgliedern die Chance geben die Sache in die Hand zu nehmen und ein wenig herumzuexperimentieren.  So ist die Freude über eine richtige Lösung einfach größer. Bevor die Ratlosigkeit allerdings in Frust umschlägt, ist es ratsam, eine Hilfekarte zu Rate zu ziehen. Zu jedem Rätsel gehören davon drei Stück. Die ersten beiden enthalten jeweils einen Tipp, der einem auf die Sprünge hilft. Hilft auch das nicht weiter, zeigt die dritte Karte die Lösung inklusive Lösungsweg. Abgesehen von der verpassten Eigenleistung gibt es einen weiteren guten Grund, nicht zu schnell zur Hilfekarte zu greifen: Jede verwendete Karte fließt am Ende des Spiels in die Wertung mit ein.

Im Laufe der Rätselraterei wird mit den Spielmaterialen gearbeitet, darauf geschrieben, Teile zerschnitten, geknickt und gebogen. Die Köpfe rauchen und es kommt auch schon mal zu hitzigen Diskussionen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug und eh man sich‘s versieht ist das letzte Rätsel auch schon gelöst und die Tür geöffnet. Aufatmen, strahlende Gesichter, der Tisch ein einziges Schlachtfeld. Zurück bleibt: ein gutes Gefühl und eine Zeitangabe: 67 Minuten, 23 Sekunden. Das geht doch bestimmt noch besser, sofort her mit der nächsten EXIT Box!

Vera meint:

EXIT ist ein unterhaltsames Spiel, das trotz dem einmaligem Spielvergnügen eine Investition wert ist. Es ist leicht, sich in die beschriebenen Situationen einzufinden und dem Rätselwahn zu verfallen. Vor lauter Begeisterung vergisst man auch schon mal die Cola, die man sich zum spielen geöffnet hat, und  erinnert sich erst wieder wenn die Zeit wieder angehalten ist und man wieder durchatmen kann. Dieses Fesselpotential spricht wirklich  für die EXIT Spiele. Meiner eigenen Erfahrung nach braucht es erst ein Spiel, um sich in die Denkweise von EXIT einzufinden, mit jedem weiteren erhöht sich der Spielspaß dann deutlich. Von mir aus könnte es gern mehr als drei Spielvarianten geben.

Peer meint:

Trotz der bisher für mich ungewohnten Situation ein Spiel nur einmal spielen zu können,  hatte ich mit den von uns gespielten „Das geheime Labor“ und „Die verlassene Hütte“ viel Spaß. Dauerte es beim ersten Spiel noch etwas länger, bis wir alles verinnerlicht hatten, so ging das zweite dann umso besser von der Hand. Was auch daran liegt, dass sowohl der Inhalt der Spielschachteln als auch die Regeln und Abläufe gleich sind. Einerseits erlaubt uns dies nun direkt in das dritte Spiel der EXIT-Reihe einzusteigen, andererseits könnte es bei weiteren Spielen dieser Reihe, die auch bereits angekündigt wurden, zu einer gewissen Eintönigkeit führen. Auch das drum herum, also die Geschichten der jeweiligen Spiele, fand ich arg konstruiert, was dem Spielspaß jedoch keinen Abbruch tat. Kaum hatten wir mit dem Spielen begonnen, war alles andere vergessen und wir waren voll und ganz im Rätselfieber. Auch der eigene Ehrgeiz kam nicht zu kurz, denn natürlich wollten wir beim zweiten Spiel besser sein als beim ersten. Die EXIT-Spielreihe sollten sich Rätselfans nicht entgehen lassen.

EXIT – Das Spiel ist in drei verschiedenen Varianten beim KOSMOS Verlag erschienen. Erdacht wurden sie von Inka und Markus Brand. Jedes Spiel dauert zwischen 45 und 90 Minuten.


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